Mehrbedarf von 17 % bei der Sozialhilfe bei Merkzeichen G

Grundsicherung ist die Sozialhilfeleistung bei voller Erwerbsunfähigkeit oder im Alter ab 65. Sozialgeld ist die Sozialhilfeleistung für erwerbsunfähige Haushaltsangehörige von Menschen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind.

Mit den Merkzeichen G oder aG steht Menschen, die auf Grundsicherung oder Sozialgeld angewiesen sind, ein sogenannter Mehrbedarf von 17% zu. Das bedeutet, dass die Höhe der Leistung um 17% bezogen auf den Regelsatz steigt. Der Mehrbedarf soll die zusätzlichen Ausgaben, die aufgrund der Gehbehinderung entstehen ein Stück weit abdämpfen. Damit der Mehrbedarf vom Amt anerkannt wird, müssen die Merkzeichen der Sozialhilfeverwaltung nachgewiesen werden.



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Berechnungsbeispiele

Im Jahr 2019 beträgt der Regelsatz für einen Alleinstehenden 424€, der Mehrbedarf würde die Sozialleistung für eine alleinstehende Person um 72,08€ erhöhen.

Bei einem Ehepaar würde der Mehrbedarf für einen Ehepartner geringer ausfallen. Das liegt daran, dass der Regelsatz bei Ehepartnern niedriger ist als bei alleine lebenden Menschen. Der Regelsatz liegt 2019 pro Ehepartner bei 382€, der Mehrbedarf beträgt dann nur 64,94€.

Der Mehrbedarf wird nicht automatisch berücksichtigt

Um den Mehrbedarf zu erhalten muß der Schwerbehindertenausweis beidseitig kopiert und dem Grundsicherungsamt vorgelegt werden. Erst dann ist der Bedarf dem Amt bekannt und kann berücksichtigt werden. Falls das Merkzeichen G oder aG schon längere Zeit besteht und die Beantragung z.B. aus Unwissenheit vergessen wurde sollte der Mehrbedarf rückwirkend beantragt werden.

Der Gesetzgeber hat weitere Mehrbedarfe vorgesehen, z.B. für Alleinerziehende, Schwangere, für eine kostenaufwändigen Ernährung aus medizinischen Gründen oder für dezentrale Warmwasserversorgung. Einen Überblick über die Mehrbedarfe gibt es auf der Seite www.sozialhilfe24.de


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Über Jochen Radau

Ich arbeite seit dem Jahr 2004 als Sozialpädagoge in einer MS-Beratungsstelle für MS-Betroffene und Angehörige. Ein wichtiges Thema sind dort Fragen rund um den Schwerbehindertenausweis. Das betrifft die Nachteilsausgleiche beim jeweiligen Grad der Behinderung und den Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis. Aber auch Hilfen bei der Antragstellung und der Durchsetzung der Nachteilsausgleiche sind Teil meiner Tätigkeit.

6 Gedanken zu „Mehrbedarf von 17 % bei der Sozialhilfe bei Merkzeichen G

  1. Guten Tag,
    ich suche ob es festgelegt ist, dass es Badumbau zur Dusche behindertengerecht ist?Für mich ist es auf gar kein Fall, wurde mein Leben schwerer machen. Aus vielen Gründen ist für mich eine Badewanne mit Badelift das beste und sicherste Baden.
    Wo finde ist eine sichere Info dazu?
    Danke
    MFG
    I.N.

    1. Die hier genannten 17% gelten nur bei der Grundsicherung oder Sozialgeld, Sozialgeld erhalten erwerbsunfähige Partner von ALG2-Empfängern. Beim ALG2 und einem GdB gibt es einen Mehrbedarf nur dann, wenn sie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach § 49 SGB IX, Eingliederungshilfen nach § 54 Abs. 1 S. 1 bis 3 SGB XII oder sonstige Hilfen zur Erlangung eines geeigneten Arbeitsplatzes erhalten. Ein Alleinstehender erhält dann einen Mehrbedarf von 35% des Regelsatzes, volljährige Angehörige einer Bedarfsgemeinschaft erhalten 35% vom 90% des Regelsatzes.
      Quelle: https://hartz4widerspruch.de/ratgeber/gesundheit/mehrbedarf-behinderte/

  2. Ich bin nach einer Zeit im Koma aktuell in einer neurologischen Reha-Klinik. Meine aktuelle Wohnung kann ich nicht mehr nutzen, da es im Haus kein Fahrstuhl gib und die Wohnung im 4.OG ist. Eine geeignete Wohnung bis zur Entlassung zu finden ist fast unmöglich. Durch die Corona-Lage ist es ebenso schwierig, eine Einrichtung zu finden, welche mich für eine Kurzzeitpflege aufnimmt. Obdachlos wegen einer schweren, akuten Erkrankung trotz vorhandener Wohnung? In meiner Heimatstadt habe ich das Amt für Soziales und Wohnen, alle Vermieter und Wohnungsverwaltungen angerufen. Es besteht keine Möglichkeit, bis zu meiner Entlassung eine Wohnung anzumieten. Wo kann ich mich hinwenden und wer kann mir helfen?

    1. Der Sozialdienst in Ihrer Rehaklinik ist der erste Ansprechpartner. Dieser muss ein Entlassmanagement durchführen und z.B. eine Kurzzeitpflege finden. Wohnungssuche ist leider generell ein großes Problem, was helfen kann ist das Amt für Soziales und Wohnen immer wieder anzurufen und auf den Ernst Ihrer Lage hinweisen. Gleiches rate ich Ihnen bezüglich eventueller Wohnbaugenossenschaften. Käme betreutes Wohnen in Frage und gibt es Anbieter in Ihrer Stadt? Ich wünsche viel Glück.

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